Nachruf auf den Mond von Nathan Filer

Matthew, damals neun Jahre alt, verbringt einen Camping-Urlaub zusammen mit seinen Eltern und seinem 3 Jahre älteren Bruder Simon, der an einer Muskelschwäche und wie wir Leser etwas später erfahren sollen zudem an dem Downsyndrom leidet. Neben anderen Geschichten von diesem Sommer erzählt uns Matthew, dass er mit seinem Bruder einen verbotenen Weg zum Strand herunter läuft und sich dabei am Knie verletzt. Der Bruder hilft ihm, trotz seiner eigenen Behinderung, zurück zum Camping-Platz. Beide Eltern zeigen sich erbost und schimpfen mit Matthew, da er ihr Verbot missachtet hatte. Dies soll symbolisch für das Verhalten der Eltern stehen, die dem älteren Bruder rückblickend stets mehr Aufmerksamkeit schenken, begründet liegt dies in seiner Erkrankung.
Im nächsten Kapitel erfahren wir dass Simon tot ist. Matthew erinnert sich nicht daran, wie es geschehen ist und ob er seines Bruders Tod verschuldet hat, doch insgeheim ist er von seiner Schuld überzeugt. Die Eltern bringen ihn zunächst bei den Großeltern unter.
Nach Hause zurückgekehrt, versucht die Mutter ihn abzuschirmen vom normalen Leben, schleift ihn wegen jeder Nichtigkeit zum Arzt, nahezu selbst Züge des Münchhausen Syndroms zeigend. Er selbst hält die Mutter für verrückt. Sie unterrichtet ihn zu Hause und blamiert ihn absichtlich vor den ehemaligen Mitschülern, um ihn noch näher an sich zu binden. Als der Zufall Matthew aus dieser schlimmen isolierten Situationen heraus lässt, ja er endlich einen Freund findet, schleicht sich ein neuer Feind in Gestalt einer schlimmen Erkrankung – der Schizophrenie – in sein Leben ein.

Mit seinen inzwischen 19 Jahren lebt Matthew als ein Patient in der Psychiatrischen Klinik Bristol. Er versucht seine Geschichte aufzuschreiben, dabei erinnert er Fragmente und springt in der Chronologie. Er möchte wissen, wie es zu dem Unfall kam, versucht sich zu erinnern. Für ihn ist Bruder nicht tot – nur verändert. Trotzdem sind da seine Schuldgefühle. Der Autor Nathan Filer hält diese Spannung, über das tatsächlich Geschehene, aufrecht bis zum Schluss.

Einfühlsam mit wundervollen Zitaten und voller Poesie erzählt uns der Autor die Geschichte: Sehr zu Herzen gehend ist da die Isolation Matthews, sein Weg zurück ins Leben. Den Lernprozess der Mutter, über ihr eigenes Verhalten. Die Verzweiflung beider Eltern über die Streiche und verbotenen Taten des Sohnes. Das Erkennen der psychiatrischen Krankheit Matthews. Die Zeit in der Psychiatrie, die verhasste Medikation sowie der Umgang des Pflegepersonals mit ihm. Sein Erkennen über den eigenen Egoismus.
Unbedingt empfehlenswert ist dieses Buch, eine anspruchsvolle Lektüre mit vielen Herzenssätzen, zeitweise etwas bizarr und oft traurig und komisch zugleich. Gerne vergebe ich dem Buch 5 von 5 Sternen.

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