Unverhoffte Wintergäste – eine eingeschneite Familienzusammenkunft

Als Inge Boysen die Augen aufschlägt, sieht sie Schwarz; der Spiegel gegenüber ihrem Bett zeigt nicht wie gewohnt ihren weißen Haarschopf, er ist abgehängt, das Zimmer völlig abgedunkelt. Da muss sie wohl tot sein, denkt sich Inge; keinesfalls jedoch hätte sie gedacht, dass man als Tote immer noch denken würde. Aber nein, Inges Tod ist ein Fehlalarm, doch da haben sich ihre Kinder und Schwiegerkinder sowie Enkelkinder samt dem Ungeborenem in Tochter Gesas Bauch bereits auf den Weg gemacht zu ihr auf die Insel und das kurz vor Silvester. Im Gepäck bringen sie alle ihre Probleme und Streitigkeiten mit. Gerade auf der Insel angekommen, hindert ein Schneesturm die Familienmitglieder daran, sofort wieder abzureisen. Nun müssen sie sich auseinander setzen mit sich selbst und ihren Konflikten. Da ist Gesa, die älteste Tochter Inges; die Frauenärztin hat sich von ihrem Ehemann Jochen getrennt und ist gerade hochschwanger von ihrem Geliebten Matteo, den sie ziemlich verklärt durch eine rosarote Brille sieht. Jochen, ein Sozialarbeiter, würde Gesa gerne zurück gewinnen, doch zu den gemeinsam verbrachten Weihnachtsfeiertagen ist dieser Versuch missglückt.
Mir ist speziell der Schreibstil der Autorin aufgefallen, denn er ist hervorragend; er lässt sich flüssig lesen, ich kann ihre Gedankengänge gut nachvollziehen, damit macht sie ihre gesamte Story äußerst lebensecht.
„Wintergäste“ ist ein Roman über Liebe und Familie, über Streit und Zusammenhalt, den Sybil Volks humorvoll und in anregender Weise erzählt. Ich mag es, dass sie in ihrem Buch oftmals einen Persperktivenwechsel einbaut, so folgt man abwechselnd den Familienmitgliedern und erfährt ihre Sicht der Dinge.
Die Autorin Sybil Volks konnte bei mir mit ihrem Roman „Wintergäste“ voll punkten, ich habe mich zu jedem Zeitpunkt prächtig unterhalten gefühlt. Deshalb vergebe ich dem Buch fünf von fünf möglichen Sternen und empfehle es von Herzen kommend weiter. Besonders aber nicht nur denke ich da an die Leser von Judith Lennox, die ich im übrigen ebenfalls sehr verehre.

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Vorschau für August 2015

Im August könnt Ihr Euch auf folgende Rezensionen auf meinem Blog freuen, hier vorab die Klappentexte:

Für alle Tage, die noch kommen von Teresa Driscoll

Wie sage ich meinem Kind, dass ich sterben muss? Gar nicht, beschließt Eleanor, als sie von ihrer Brustkrebserkrankung erfährt. Ihre achtjährige Tochter Melissa soll so lange wie möglich eine unbeschwerte Kindheit haben. Stattdessen sammelt Eleanor Gedanken, Erinnerungen und gemeinsame Erlebnisse in einem Buch, das sie bei ihrem Anwalt hinterlegt. Wie fühlt es sich an, wenn die Mutter ohne Abschied geht? Auch siebzehn Jahre danach fühlt Melissa sich unvollständig. Gerade hat sie den Heiratsantrag ihres Freundes Sam abgelehnt, den sie doch innig liebt. Da bekommt sie ein kleines Buch zugestellt – ein Buch, aus dem noch einmal ihre Mutter zu ihr spricht. Es ist voller Rezepte, für die Küche und fürs Leben. Und voller Liebe. Melissa beginnt zu verstehen, was Eleanor für sie getan hat. Sie erkennt, wie sehr sie geliebt wurde. Und sie weiß jetzt, dass sie es auch kann: der Liebe vertrauen.

Wintergäste von Sybil Volks

»All das Kommen und Gehen in unserer Familie begann mit einem angekündigten Tod und einem unangekündigten Sturm. Mond und Flut, Schnee und Sturm, Brüder und Schwestern, Geliebte und ungeborene Kinder trafen ohne Vorwarnung aufeinander. Über Nacht verwandelte sich unser Haus in eine Insel im Eismeer und unsere Sippe in eine Gemeinschaft Schiffbrüchiger.«

Die Nachricht von Inge Boysens Tod war ein Fehlalarm. Doch da haben sich Kinder und Kindeskinder bereits in dem kleinen Haus hinter dem Deich versammelt. Kurz vor dem Jahreswechsel schneidet ein Schneesturm Haus Tide und seine Bewohner von der Außenwelt ab. Während draußen die Welt vereist, kochen im Innern alte Feindseligkeiten und neue Sehnsüchte hoch.

Drei Generationen in einem eingeschneiten Inselhaus – in wenigen Tagen entfaltet sich zwischen ihnen das Leben in seiner ganzen Tragik, Komik und Magie.

Breathe – Jax und Sadie: Roman (Sea Breeze, Band 1)von Abbi Glines

Die erste große Liebe, der erste große Herzschmerz … Sadie White wird ihre letzten Sommerferien vor dem College nicht entspannt am Strand des idyllischen Küstenorts Sea Breeze verbringen, sondern in einer der Villen der wohlhabenden Sommergäste – als Mädchen für alles. Was sie nicht ahnt: Der Besitzer des Anwesens ist Jax Stone, einer der heißesten Rockstars der Welt. Müsste Sadie sich nicht um ihre hochschwangere Mutter und die Familienfinanzen kümmern, wäre sie vielleicht begeistert, einem einem Star so nah sein zu dürfen. Ist sie aber nicht. Doch während Sadie sich von Jax und dessen Ruhm nicht allzu beeindruckt zeigt, fühlt er sich umso mehr zu ihr hingezogen. Der »New York Times«-Bestseller erstmals auf Deutsch Die international erfolgreiche »Sea Breeze«-Reihe bei Piper: Breathe – Jax und Sadie (Sea Breeze #1); Because of Low – Marcus und Willow (Sea Breeze #2); While It Lasts – Cage und Eva #1 (Sea Breeze #3); Just for Now – Preston und Amanda (Sea Breeze #4); Sometimes It Lasts – Cage und Eva #2 (Sea Breeze #5); Misbehaving – Jason und Jess (Sea Breeze #6); Bad For You – Krit und Blythe (Sea Breeze #7); Hold On Tight – Dewayne und Sienna (Sea Breeze #8); Until the End – Rock und Trisha (Sea Breeze #9).

Auf eine wie dich habe ich lange gewartet von Patrycja Spychalski

Ab ans Ende der Welt, heißt es für Großstadtmädchen Laura – dort, wo sich höchstens die Wildgänse und Mamas neue Hühner gute Nacht sagen. Wie soll sie es da nur aushalten? Aber das piefige Kaff hat dann doch etwas zu bieten: Enzo, den süßen Neffen des Pizzeriabesitzers, und Irina, das hübsche, durchgeknallte Mädchen, mit dem Laura sich auf Anhieb versteht, Musik hört, am Bach herumliegt und … dann passiert es: Auf einer Party küsst Irina Laura – und Laura küsst Irina. Doch so unerwartet schön, so schrecklich verwirrend sind ihre Küsse auch. Bin ich lesbisch?, googelt Laura. Und wenn ja, warum dann dieses irre Kribbeln, wenn sie Enzo sieht?

Bei Zugabe Mord!: Eine Diva ermittelt im Salzburger Festspielhaus von Tatjana Kruse

Singt er noch oder stirbt er schon? Der neue Krimi von Star-Autorin Tatjana Kruse! Eine Diva in Nöten und eine tote Maus am Fußabstreifer Bei den Salzburger Festspielen wird neuerdings mehr gestorben als gesungen. Nachdem die exzentrische Primadonna Pauline Miller eine morbide Drohbotschaft erhalten hat – vor ihrer Tür liegt eine tote Maus mit der Nachricht „Aus die Maus“ -, verstummt während der Proben zu Mozarts „Entführung aus dem Serail“ ein Sänger nach dem anderen – für immer. Die Millerin, eine echte Operndiva, die ihren Beruf schrill und mit Herzblut ausübt, kann das natürlich nicht einfach so akzeptieren. Also wird die Sopranistin zur Schnüfflerin und fühlt verdächtigen Opernfeinden auf den Zahn. Bis sie sich plötzlich selbst in Gefahr sieht, bald ihre letzten Töne geträllert zu haben … Tatjana Kruse in ihrem Element: schräg, genial und urkomisch! Mit Pauline Miller hat Star-Autorin Tatjana Kruse eine herrliche neue Figur geschaffen. Die ebenso schillernde wie voluminöse Pauly nimmt die Ermittlungen selbst in die Hand – auf den federführenden Polizisten ist nämlich offenbar kein Verlass, und auf Männer hat sie sich sowieso noch nie verlassen. Tatjana Kruse würzt ihre Bücher mit allem, was das Herz von Krimifans begehrt: tragischer Komik, komischer Tragik und wunderbar schrägen Figuren. Wenn die „Queen der Krimi-Comedians“ (Süddeutsche Zeitung, Tanja Kunesch) ihren schwarzen Humor auspackt, können selbst die Briten einpacken!

Lavendelsommer von Cora Berg (die Autroin Corina Bomann schreibt hier unter Pseudonym)
Christina lebt seit der Scheidung ihrer Eltern bei ihrer Mutter. Aber als diese auf eine Dienstreise in die USA fliegen muss, darf Christina sie nicht etwa begleiten, sondern soll mit ihrem Vater nach Südfrankreich fahren. Er hat den Auftrag, über eine Flusskreuzfahrt zu berichten, und kann Christina mitnehmen. Gelangweilt tritt sie die Reise an, wild entschlossen, ihrem Vater so weit wie möglich aus dem Weg zu gehen und sich keinesfalls zu amüsieren. Doch dann lernt sie den Franzosen Michel kennen, den Sohn des Reeders, und verliebt sich Hals über Kopf in ihn. Sofort heften sich Society-Reporter an ihre Fersen, die die Romanze des reichen Erben auf keinen Fall verpassen wollen. Hat ihre Liebe dennoch eine Chance?

Lichtblaue Sommernächte von Emily Bold

Ein großer, bewegender Roman, eine Liebeserklärung ans Leben, das neue Buch von Emily Bold

Lauren war sich so sicher, glücklich zu sein. Zusammen mit ihrem Mann Tim und den beiden Kindern wohnt sie in einem süßen, kleinen Haus in Vermont und will sogar ihr Studium wieder aufnehmen. Bis der Schicksalsschlag kommt: Diagnose Hirntumor. Lauren will kämpfen, will nicht aufgeben, will bleiben. Aber die Krankheit ist stärker. Laurens Zustand verschlechtert sich. Kann es nicht auch eine Lösung sein, wenn sie selbst entscheidet, wann sie das Leben loslassen wird? Aber wie soll sie das ihrer Familie klarmachen? Ihren Eltern und ihren Kindern? Nach und nach begreift Lauren, dass man mit allem seinen Frieden schließen kann.
»Ich verliebe mich in jeden meiner Romane, aber diese Story ist auch für mich neu und besonders!« Emily Bold

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Wer wispert unter der Baker Street? – Ein Peter-Grant-Krimi

Seit dem ersten Band der Peter Grant Reihe bin ich ein großer Fan der Bücher. Der Autor Ben Aaronovitch hat mit seinem Protagonisten Peter eine Figur erschaffen, die beeindruckender nicht sein könnte. Im ersten Teil bemerkt der junge Polizist, dass er über ungeahnte übersinnliche Fähigkeiten verfügt. Er kann mit Geistern in Kontakt treten. Daraufhin wird er Thomas Nightingale, Detective Chief Inspector und außerdem der letzte Zauberer Englands, in dessen Ein-Mann-starke für Übernatürliches zuständige Sonderabteilung der Metropolitan Police zugeordnet. Von nun an wird der Zaubermeister Nightingale Peter in den Grundlagen der Magie ausbilden.
In diesem nunmehr dritten Band der Serie bekommt es Peter Grant mit Geistern im Londoner U-Bahn-System und dem Mord an dem Sohn eines US-Senators des Staates New York zu tun. Dies ist der Grund, warum die FBI-Agentin Kimberley Reynolds die Ermittlungen der Metropolitan Police beobachten soll. Schnell stellt sich für Peter heraus, dass sie seine Arbeit erst einmal behindert, da der Leiter der Ermittlungen, Detective Chief Inspector Seawoll, nicht möchte, dass Kimberley irgendetwas von übernatürlichen Vorkommnissen erfährt. Unterstützung bekommt Grant wiederum von seiner Kollegin Lesley, die ihn seit dem ersten Teil zur Seite steht und von Abigail, einem jungen Mädchen aus der Nachbarschaft Peters Eltern.
Aaronovitch schreibt in seinem gewohnt temporeichen Stil. Er schafft es die Geschichte durch ständig neue Einflüsse und neue Figuren immer wieder abzuwandeln und die Spannung dadurch bis zu letzten Seite aufrecht zu erhalten.
Dramatik und Grusel mit einer guten Portion britischen Humors – ich fühle mich beim Lesen jedes Peter-Grant-Bandes ausgezeichnet unterhalten. Die Charaktere, besonders die der Geister-Völkchen, sind herrlich skurril und es macht großen Spaß tiefer und tiefer in die fantastischen Welten Peter Grants hinein zu steigen. Mit Freude empfehle ich dieses Buch und die gesamte Reihe, es ist ein Mix zwischen Fantasie und echter Polizeiarbeit in der Millionenstadt London. Ich vergebe dem Krimi fünf von fünf möglichen Sternen.

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Teo, ein Junge zieht in eine Schlacht, die er gewinnen muss

Welch ein poetischer Einstieg in ein Buch, für mich ist es der beste Start in eine Geschichte seit langer Zeit: „Ich heiße Teo, ich bin acht Jahre alt, und ich will mit Napoleon reden. Ich muss eine sehr wichtige Schlacht gewinnen, und er ist der Einzige, der mir dabei helfen kann. Allein wenn ich mit ihm reden will, muss ich sterben, denn Napoleon ist schon tot.“
Dagegen bin ich als Leserin schnell erst einmal ernüchtert von der Dichtkunst der Autorin, denn der kleine Junge meint es tatsächlich ernst, er googelt bereits diverse Suizidmöglichkeiten am Computer seiner Schwester Matilde. Derart konsequent verfolgt er sein Ziel, auf Napoleon zu treffen, denn die Schlacht, in die er ziehen will, soll ihm sein gewohntes, bisheriges Familienleben retten.
Die Eltern stehen vor einer Trennung, diese möchte Teo unbedingt verhindern. Wie verzweifelt muss dieses Kind sein? Nur mehr nach außen hin gelingt es den Eltern, eine intakte Familie zu spielen, zu Hause eskalieren die kleinsten Konflikte und dies jeden Tag.
Ebenso sein Kindermädchen Susu vermag Teo nicht mehr zu trösten. Rettung für das kleine Kinderherz erscheint ihm in Gestalt des Geburtstagsgeschenkes seiner Eltern an ihn – ein Comicbuch über einen wahren Helden: Napoleon. Und der hatte bekanntermaßen alle seine Schlachten gewonnen. So beginnt Teos Plan zu reifen, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.
Tag für Tag begleiten wir Leser nun Teo, wie er sich daran macht, kleine Probleme zu lösen, um seinem Ziel wieder ein Stückchen näher zu kommen. Dies tut er mit seinen unermüdlichen Fragen an die Welt, fast schon philosophisch. Napoleon ist tot, doch wo ist er? Im Jenseits, aber wo ist das? Es gibt zwei: Himmel und Hölle, jedoch war Napoleon ein guter Mensch?
Neben seinen Fragen liest sich Teo auch noch durch sein heiß geliebtes Buch und damit durch Napoleons Leben.
Dabei hat das Kind die Erwachsenen längst durchschaut, es weiß, sie haben bestimmte Antworten parat, meinen allerdings eigentlich „Nein!“und ich fühle mich wenig ertappt.
In Xian einem Mitschüler findet Teo einen neuen Freund und schlussendlich findet er auch auch Napoleon.
Lorenza Gentile hat das Ende des Buches äußerst liebenswert und schlüssig gestaltet. Wie gerne wäre ich Teos Gedankengängen noch länger gefolgt und hätte über das Löchern seiner Umwelt mit Fragen geschmunzelt, da war die Geschichte bereits beendet. So flüssig konnte ich das Buch lesen, die Autorin hat einen wunderbaren Schreibstil, es macht Freude ihr Buch zu lesen. Danke an die Autorin, dass wir Leser den Jungen 13 Tage begleiten dürfen und vieles von ihm lernen können.
Mit „Teo“ hat sie ein Buch erschaffen, das uns Leser seriös und humorvoll zugleich die Probleme eines kleinen Jungen aufzeigt, dessen Eltern eine Scheidung droht. Zugleich nimmt es uns mit in eine Welt voller Fantasie und bringt auf nahezu spirituelle Weise Antworten hervor. Das Buch lässt mich zutiefst gerührt zurück.
Herzlich gern empfehle ich dieses Buch, das ein wahres Kleinod ist und vergebe ihm fünf von fünf Sternen.

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Atemraubender Medical Thriller – ein Meisterwerk der Schreibkunst

Seit knapp fünf Jahren in der Todeszelle sitzend, erzählt Dr. David Evans, ein Oberarzt und Neurochirurg der St. Claire Privatklinik in Washington, seinem Tagebuch und somit uns Lesern seine Geschichte. Er beginnt seine Erzählung 63 Stunden vor der OP, die sein Leben auf so drastische Weise bereits verändert hat und noch mehr verändern wird. Denn seine Haushaltshilfe Svetlana wurde getötet und seine siebenjährige Tochter Julia entführt, ausgeführt von einem Psychopathen, der sich selbst Mr. White nennt. Doch der Kidnapper verlangt kein Lösegeld für die Freilassung des Mädchens, nein, er fordert, dass David seinen nächsten Patienten auf dem OP-Tisch verlieren soll und dabei handelt es sich um niemand geringeren als den mächtigsten Mann der Welt, den Präsidenten der Vereinigten Staaten.

Eine virtuos komponierte Geschichte, die den Leser fesselt und bis zum Ende des Buches nicht mehr loslässt. Der Autor versteht es meisterhaft, den Plot nicht klar ersichtlich werden zu lassen, wer sind die Hintermänner und Auftraggeber, die Frage bleibt lange unbeantwortet und ist in keinster Weise zu erahnen. Mit diesem Buch bekommen wir Leser einen atemraubenden und Kälteschauer verursachenden Medizin-Thriller serviert, in dem ein eiskalter und skrupelloser, alles kontrollierender Psychopath, der absolut keinerlei Empathie für seine Opfer empfindet, Menschen manipuliert als würde er gerade Schach spielen – nur mit lebendigen Menschen und mit echten Opfern.

Die Passagen Dr. Evans betreffend sind in Ich-Form erzählt, doch die Erzählperspektive schwenkt in einzelnen Kapiteln in die Dritte-Person zu anderen wichtigen Hauptfiguren wie u.a. zu dem Psychopathen, um Hintergründe für uns Leser klar zu machen. Dies sind interessante und aufschlussreiche Einblicke, die jedoch nicht zu viel preisgeben. Juan Gómez-Jurado schafft immer wieder unvorhersehbare Wendungen, die mir als Leserin jedes Mal aufs Neue den Atem stocken lassen und der Story einmal mehr Hochspannung verleihen.

David führt einen erbitterten Kampf, um das Leben seiner Tochter zu retten, dies ist ein wahrlicher Wettlauf gegen die Zeit, wird er es schaffen? Ob der Arzt seinen berühmten Patienten wirklich sterben lässt, oder ob dieser in letzter Sekunde gerettet werden kann, und natürlich, ob Dr. Evans die Todeszelle lebendig verlassen kann und ob seine Tochter Julia unbeschadet freigelassen wird – dies alles verrät uns Gómez-Jurado erst ganz zum Schluss seines Thrillers, den er in einem rasanten, bewegenden Schreibstil verfasst hat.

Diesem Thriller vergebe ich die volle Punktzahl – fünf von fünf Sternen. Ein Buch, das ich jedem Liebhaber der absoluten Spannung und Verehrer der Bücher von Sebastian Fitzek, John Katzenbach oder Tess Gerritsen nur wärmsten ans Herz legen möchte.

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Teo, ein Junge muss eine Schlacht gewinnen

Welch ein poetischer Einstieg in ein Buch, für mich ist es der beste Start in eine Geschichte seit langer Zeit: „Ich heiße Teo, ich bin acht Jahre alt, und ich will mit Napoleon reden. Ich muss eine sehr wichtige Schlacht gewinnen, und er ist der Einzige, der mir dabei helfen kann. Aber wenn ich mit ihm reden will, muss ich sterben, denn Napoleon ist schon tot.“ Doch schnell bin ich als Leserin erst einmal ernüchtert von der Dichtkunst der Autorin, denn der kleine Junge meint es tatsächlich ernst, er googelt bereits diverse Suizidmöglichkeiten am Computer seiner Schwester Matilde. Derart konsequent verfolgt er sein Ziel, auf Napoleon zu treffen, denn die Schlacht, in die er ziehen will, soll ihm sein gewohntes Familienleben retten. Die Eltern stehen vor einer Trennung, diese möchte Teo unbedingt verhindern. Wie verzweifelt muss dieses Kind sein? Nur noch nach außen hin gelingt es den Eltern, eine intakte Familie zu spielen, zu Hause eskalieren die kleinsten Konflikte und dies jeden Tag. Auch sein Kindermädchen Susu vermag Teo nicht mehr zu trösten. Rettung für das kleine Kinderherz erscheint ihm in Gestalt des Geburtstagsgeschenkes seiner Eltern an ihn – ein Comicbuch über einen wahren Helden: Napoleon. Und der hatte doch bekanntermaßen alle seine Schlachten gewonnen. So beginnt Teos Plan zu reifen, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Die Autorin Lorenza Gentile hat mit „Teo“ ein Buch erschaffen, das uns Leser seriös und humorvoll zugleich die Probleme eines kleinen Jungen aufzeigt und uns mit nimmt in seine Welt voller Fantasie. Die Leseprobe lässt mich zutiefst gerührt und gespannt zurück, unbedingt möchte ich wissen, wie es mit Teo weiter geht. Wird er seinen Weg und seine Antworten finden und kann er seine Familie vor dem Zerfall retten?

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