Die Vergangenheit streckt ihre gefährlichen Fühler aus

Welch ein fulminanter Einstieg in ein Buch, der Prolog in Wolfgang Haupts neuestem Werk „Salziges Blut“, ist eindrucksvoll geschrieben und ganz und gar atmosphärisch, ich bin als Leserin sogleich völlig gebannt von der Situation, doch in erster Linie bin ich zutiefst überrascht: ich hatte ihn in der Art nicht erwartet, nämlich er ist aus der Sicht eines Pferdes, einer Stute, beschrieben. Eine einzigartige Idee, die der Autor hervorragend umgesetzt hat – Chapeau!
Felix Horvat, ein Personenschützer, lebt in Salzburg, er ist leidenschaftlicher Raucher und er besitzt die Kaffeemaschine, für die George Clooney Werbung macht, in der Hoffnung, dass sie ihm ebenso beim Flirten hilft wie diesem in der TV-Reklame. Gerade befindet er sich selbst in einer melancholischen Stimmung, da erhält er einen Anruf seiner Freundin und Gelegenheitspartnerin Andrea, sie, die Polizistin, bittet ihn um Unterstützung in einem Fall, in dem das Opfer die gleiche Tätowierung trägt wie Felix; das „Brandzeichen“ einer Jugendgang und deren ehemalige Mitglieder scheinen sich in Gefahr zu befinden. Felix beginnt auf eigene Faust zu ermitteln und gerät dabei ins Visier der Täter.

Der Autor schafft eine wunderbare Stimmung, fängt das Leben in der Großstadt Salzburg mit all seinen Farben und Schwingungen ein, positiv wie negativ, macht das Buch damit lebendig. Mit seinem Protagonisten Felix hat er eine starke und interessante Persönlichkeit hervor gebracht. Horvat ist ein wenig der einsame Wolf, ist jemand der neben seinem Job mit eigenen Problemen aus seiner Vergangenheit zu kämpfen hat. Die Nebencharaktere, besonders benennen möchte ich Suzuki, Felix einzigem engen Freund, mit dem er auch mal zusammen schweigen kann, sind ebenfalls durch die Bank erstklassig geglückt, runden das Geschehen glänzend zu einem hervorragendem Thriller ab. Stück für Stück fügt sich die Geschichte mit all ihren Personen und Schauplätzen wie ein Puzzle zusammen. Wolfgang Haupt nimmt mich als Leserin zu jedem Zeitpunkt mit, lässt den Spannungsbogen nie abreißen. Ich habe sein Erstlingswerk „Der algerische Hirte“ bereits geliebt, umso mehr beeindruckt mich sein neuestes Buch, denn es ist intensiver, schneller in den Entwicklungen, damit ereignisreicher und falls dies überhaupt möglich ist, noch fesselnder geschrieben.

„Salziges Blut“ ist ein atemraubend spannungsvoller und speziell bestens gelungener Thriller, dem ich leichten Herzens seine verdienten fünf von fünf möglichen Sternen vergebe. Dieses packende Buch möchte ich gerne weiter empfehlen, an alle die Leser, die nervenzerreißende, temporeiche und brisante Lektüre bevorzugen.

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Zündstoff von Gea Nicolaisen

Lucie Croon die Protagonistin des Schleswig-Krimis der Autorin Gea Nicolaisen lebt noch nicht lange in der Stadt, als sich eine junge Frau Fenja, mit der sie sich im Gitarrenunterricht angefreundet hatte, von einer Brücke stürzt und tödliche Verletzungen davon trägt. Kurz darauf erschüttern Bombendrohungen die kleine Stadt an der Schlei. Und Lucie beginnt eigenhändig mit Ermittlungen zusammen mit Ragnar Calliesen und Malte Stürmer, zwei Schulfreunden Fenjas. War es wirklich ein Selbstmord und hängen die Bombendrohungen mit Fenjas Tod in irgendeiner Form zusammen? Lucie kommt dabei nicht nur dem ermittelnden Kommissar Bendixen in die Quere sondern ebenfalls dem Sohn ihres Chefs Calliesen näher. Auch sie gerät in den Kreis der Verdächtigen der Polizei, denn sie hält sich mehr als einmal in der Nähe der Schauplätze auf, wenn eine der Drohungen eingeht. Steht sie selbst auf der Liste des Bombenlegers oder hat es etwas mit den Machenschaften ihres Arbeitgebers zu tun, der sich aufgrund seiner Geschäfte im Bauwesen in der kleinen Stadt nicht nur Freunde macht?

Gea Nicolaisen versteht es eine unsagbare Spannung aufzubauen und diese wird bis zum überraschenden Schluss des Buches aufrecht erhalten. Die ganze Handlung öffnet sich uns Lesern erst mehr und mehr und die Autorin verblüfft zudem mit Wendungen, die nicht gleich absehbar sind. Zudem schreibt sie in einem frischen Stil, die Dialoge sind locker und wirklichkeitsnah. Ganz nebenbei lässt uns Gea Nicolaisen ihre Liebe zu der Stadt Schleswig spüren, wir Leser fühlen uns fast wie selbst vor Ort.

Gerne vergebe ich dem Buch fünf von fünf Sternen und empfehle es von Herzen gerne weiter, denn dieser Krimi hat mich richtiggehend gefesselt.

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Warte, warte nur ein Weilchen Tanja Litschel

Beim Veterinäramt Bremen geht ein Brief mit unbekanntem Absender ein. Dieser Brief landet auf dem Schreibtisch der Lebensmittelkontrolleurin Marja Strom. Er enthält den Reklame-Prospekt einer Supermarkt-Kette, Zeitungsausschnitte über Prostituierten-Morde und den vielsagenden Hinweis ”Warte, warte nur ein Weilchen, bald kommt Haarmann auch zu dir…” Sie kombiniert und recherchiert und zieht zunächst nur eine Kollegin vom Lebensmitteluntersuchungsamt hinzu, nämlich die Biochemikerin Sarah Weber. Denn zu absurd erscheinen ihr ihre eigenen Schlussfolgerungen, sie möchte sich nicht blamieren und außerdem eine Rookie-Challenge ausschließen, arbeitet sie doch erst seit ein paar Wochen in ihrer Funktion. Allerdings kann sie Sarah schnell für die Sache entflammen und die Biochemikerin entschließt sich dazu eine entnommene Probe zu untersuchen. Das jedoch setzt eine Kette von Katastrophen in Gang, die für alle Beteiligten tödlich enden kann. Denn sowohl die Fleischmafia als auch ein psychopathischer Serienkiller greifen von nun an ins Geschehen ein. Wird der ermittelnde Kommissar Edgar Thorens der Kripo Bremen es rechtzeitig schaffen, die richtigen Schlüsse zu ziehen und hilfreich ins Geschehen einzugreifen?

Die Autorin Tanja Litschel nimmt uns mit in das Milieu der fleischverarbeitenden Industrie, zeigt uns deren Abgründe, wobei wir Getrost alle uns bekannten Fleischskandale von nun an als harmlos abtun können.

Der Schreibstil der Autorin und ihre frische, leicht freche Sprache gefallen mir ausnehmend gut, der Thriller ist flüssig geschrieben und beinhaltet ausgezeichnete Dialoge. Lange lässt uns Tanja Litschel im Unklaren über die Zusammenhänge und den Ausgang ihres Plots. Von der ersten bis zur letzten Seite hält sie eine unfassbare Spannung aufrecht, alles Abläufe geschehen in einem großen Tempo, so dass einem als Leser nicht nur einmal der Atem stockt. Einige der Charaktere in der Geschichte sind zum Teil aufgrund ihrer Brutalität abstoßend andere wieder sind sehr liebenswert, alle zusammen sind jedoch in sich stimmig und realitätsnah. Der Kripo-Beamte Edgar Thorens erinnert mich ein wenig an Henning Mankells Kommissar Wallander oder auch Arnaldur Indriðasons Kommissar Erlendur. Einen Vergleich den die Autorin Tanja Litschel wie ich finde nicht scheuen muss.

Dieses Buch möchte ich von Herzen gerne weiter empfehlen, es hat mir kolossale Freude bereitet es zu lesen, ich bewerte diesen grandiosen Thriller mit fünf Sternen.

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Aspalt von Axel Hollmann

Der Autor Axel Hollmann beschreibt das rasante Leben der ehemaligen Kriminalkommissarin Julia Wagner, die nun ihr Geld als Fotoreporterin verdient. Mit genau dieser neuen Tätigkeit bringt sie sich immer wieder in heftige Schwierigkeiten.
Sie riskiert viel, gerät von einer brenzligen Situation in die nächste. Wäre sie ein Mann, so würde man sie als Lonely-Wolf beschreiben. Sie betreibt einen mehr als unkonventionellen Lebensstil, in dem Schmerztabletten mit Dosen-Bier und Kartoffelchips schon mal ein Frühstück darstellen und One-Night-Stands ihr Liebesleben beherrschen. Ein turbulentes Privatleben, in dem lediglich ihre beste Freundin Seyran einen ruhenden Pol bedeutet.
Wir Leser erfahren, dass ein ehemaliger Kollege vom Landeskriminalamt, Frank Wolf, ihr Herz verletzt hat und die Ursache für ihre Bindungsangst ist. Erneut taucht er ungebeten in ihrem Leben auf und reißt sie hinein einen Kriminalfall.
Dieser entpuppt sich als ein Krieg gegen eine Rockerbande. Dass der Boss dieser Bande sich selbst Odin nennt und einen Raben Hugin besitzt, der ihn beschützt, mutet etwas plump an, doch sei es dem Schriftsteller verziehen.
Ein Thriller, in dem der Verfasser ein spannendes Szenario entworfen hat und in dem ein wenig Roadmovie-Gefühle aufkommen. Die Protagonistin Julia Wagner erinnert mich ein bisschen an Anne Holts Kommissarin Hanne Wilhelmsen. Ein Buch, das ich gerne weiter empfehle.

Ich vergebe dem Buch 5 von 5 Sternen.

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Der algerische Hirte von Wolfgang Haupt

Der algerische Hirte lässt uns Leser teilhaben an der Welt der Geheimdienste, die schwierige, nahezu unlösbare Arbeit der Polizisten. Das Buch zeigt uns Terroristen auf der einen Seite und das Leid der Zivilbevölkerung mit erschreckenden Schicksalen auf der anderen. Es nimmt uns mit in die Ära des Algerienkrieges und schildert dessen Auswirkungen, die bis in die heutige Zeit hinein zureichen scheinen. Ein fesselnder Kriminalroman, der für unseren Protagonisten, den französischen Kommissar François Ranfort, nicht schwieriger starten könnte. Steht er doch unter Mordverdacht, das wäre allein schon schlimm genug, doch handelt es sich bei dem Ermordeten dazu noch um einen Vertrauten, seinen Freund Auguste. Eine nervenaufreibende Ermittlung startet, die Ranfort, aufgrund der Fahndung gegen ihn, sogar größtenteils allein und geheim durchführen muss. Parallel wird die Geschichte des jungen Pedro erzählt, ein Soldat im Algerienkrieg, der gerade seine ersten Kampferfahrungen durchlebt. Pedro, der auf eine erschreckende Weise Gefallen am Morden entwickelt. Morden und Foltern aus Lust und Machtgefallen. Doch der Autor Wolfgang Haupt zeigt uns im Laufe der Geschichte weitere Gründe auf, warum Menschen morden. Wie sind diese beiden Geschichten miteinander verknüpft, wurde Auguste ermordet, weil er etwas wusste oder etwas besaß, an dem noch heute die Geheimdienste interessiert sind? Tiefer und tiefer wird Ranfort verstrickt in Machenschaften, die er selbst anfänglich nicht durchschaut. Er muss versuchen, sich am eigenen Kragen ziehend, aus dem Sumpf, in den er hinein geraten ist, selbst zu befreien. Es bleibt keine Zeit zum Durchschnaufen, gerät Ranfort doch von einer brenzligen Situation in die nächste. Für uns Leser ist es nicht leicht, den Überblick zu behalten, zu viele Personen trachten Ranfort und den Menschen in seiner Nähe nach dem Leben bzw. versuchen durch Folterung an Informationen zu kommen. Nicht nur einmal fragt sich der Kommissar, ob er seiner Umgebung Unglück bringt. Stück für Stück, wie ein Puzzle, fügen sich beide Geschichten, die Ranforts und die des Soldaten Pedro, zu einer zusammen. Als nahezu am Ende des Buches Kommissar François Ranfort schlussendlich alle Fäden in seinen Händen zusammen zuhalten glaubt und alle Rätsel als gelöst anmuten, soll es zum finalen Clou kommen, doch bleibt diese erneute Wendung lediglich eine Illusion. Der Autor reißt wieder einmal die Zügel herum und lässt die Story anders enden als erwartet … Eine durch und durch spannende Story, in einer hervorragenden Art geschrieben. Die dunklen Kanäle der Geheimdienste und Attentate, die es zu verschleiern gilt. All das keine leichte Kost, doch nichtsdestotrotz empfehle ich das Buch nur zu gerne. Leser von Jan Guillou oder Tom Clancy werden es verschlingen und lieben.

Ich vergebe dem Buch 5 von 5 Sternen.

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